Cashewnuss-Anbau

Der Sulzer, Ausgabe 262, Februar 2011, Seite 21 + 22

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrer Partnerkommune Bassila in Benin, Westafrika.

Haben Sie diesen Winter schon einmal Cashewnüsse geknabbert? Wenn ja, könnten die aus Bassila gewesen sein. Viele Familien hier in Bassila haben eine Cashewnussplantage, einen Hektar oder größer. Vor ca. 40 Jahren wurden die ersten Plantagen vom Bassilaer Entwicklungsverein eingeführt. Der Boden und das Klima hier scheinen dafür sehr geeignet zu sein.

Cashewnuss am Baum; der Cashewapfel ist der "Stil".
Cashewnuss am Baum; der Cashewapfel ist der “Stil”.

Wissen Sie, wie Cashewnüsse wachsen? An den Zweigen hängen die leuchtend roten oder gelben Cashewäpfel, und unter jedem Apfel hängt genau eine Nuss in ihrer grünen harten und glänzenden Schale. Jetzt im Februar sieht man schon die Nüsse an den Bäumen, die Ernte beginnt im März und geht bis Mai. Man pflückt die Nüsse hier nicht von Hand, sondern wartet, bis Apfel und Nuss von selber auf den Boden fallen. Dann sammelt man sie ein. Die Nüsse werden von den Äpfeln abgedreht. Dann werden sie auf dem Kopf in Schüsseln zu Fuß nach Hause getragen oder in kleinen Säcken auf dem Fahrrad oder Motorrad transportiert. Die Cashewäpfel sind extrem leicht verderblich und bekommen vielen Leuten nicht. Deshalb werden sie hier nicht genutzt, sondern verrotten auf dem Feld. Die Nüsse bleiben in ihrer Schale und werden in großen Säcken an die Aufkäufer verkauft, der Preis variiert zwischen 25 und 75 Eurocents pro Kilo. An den Wegecken sieht man Waagen stehen, viele Aufkäufer nehmen auch ganz kleine Mengen. Deshalb ist auch der Diebstahl von Nüssen direkt auf der Plantage zur Erntezeit ein echtes Problem.

Die Nüsse können bisher nicht hier vor Ort entkernt werden. Die harzige und säurehaltige Schale macht diese Arbeit sehr gefährlich. Beim Rösten über dem Feuer sprüht die Nuss Funken, und beim Auspuhlen greift die Säure die Hände an. Bisher werden sie nach Cotonou gebracht und sogar ganz bis nach Indien zur Weiterverarbeitung. Aber im Dezember haben wir eine neu gebaute Cashewnussentkernungsfabrik besucht, die 2,5 Autostunden südlich von Bassila an der Hauptstraße liegt. Die Direktorin sagte, dass sie hoffen, den vollen Betrieb zur Ernte 2012 aufnehmen zu können. Und neulich hörten wir, dass ein Investor wohl sogar eine Cashewnussentkernungsfabrik direkt hier in Bassila bauen will. Wir freuen uns sehr, dass die Weiterverarbeitung demnächst im eigenen Land stattfinden kann. Das ist ein Meilenstein für die Entwicklung hier vor Ort.

Landwirte schlagen in Gemeinschaftsarbeit die Feuerschneise
Landwirte schlagen in Gemeinschaftsarbeit die Feuerschneise

Der Unterhalt einer Plantage ist mit  viel Arbeit verbunden. Wenn die Ernte vorbei ist, werden die Bäume getrimmt. Und jedes Jahr werden hier ganze Plantagen durch Buschfeuer zerstört. Deshalb ist zu Beginn der Trockenzeit der Brandschutz sehr wichtig. Das Unkraut wird von Hand gerodet und man pflegt 10 Meter breite Feuerschneisen, denn die harzhaltigen Bäume sind extrem feuergefährdet.

Zu dieser Jahreszeit sieht man ganz viele Jungen mit ungeschälten Cashewnüssen spielen. Die Regeln ähneln dem Murmelspiel. Der Gewinner bekommt alle Nüsse. Und dann geht er sie entweder verkaufen, 20 Stück für 1 Cent, oder er röstet sie und knabbert sie selber.

Wenn Sie das nächste Mal eine Cashewnuss essen, denken Sie doch einfach mal an die Plantagenbesitzer hier in Bassila.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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