Bausaison

Der Sulzer, Ausgabe 272, Dezember 2012, Seite 34 + 35

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Die Regenzeit ist vorbei, die diesjährige Trockenzeit hat begonnen. Und damit beginnt hier auch die Bausaison. Noch ist Wasser in den Brunnen, und man erwartet keine heftigen Regenfälle mehr, welche die Mauern auf der Baustelle zum Einstürzen bringen können.

Wir hören und lesen immer wieder, wie sehr Sie sich für den Bau von Schulgebäuden in unserem Kreis engagieren. Herzlichen Dank! Deshalb wollen wir ihnen mal ein bisschen erzählen, wie das Bauen sich hier von dem in Deutschland unterscheidet.

Es gibt keine Baustoffhandlungen oder Baumärkte, man kauft auch Steine nicht fertig. Vieles, was bei Ihnen mit Maschinen gemacht wird, ist hier Handarbeit. Bauunternehmer gibt es auch, aber sie sind eher selten. Der Bauherr besorgt sich meistens selber die Baumaterialien und die Handwerker. Die meisten Gebäude werden hier inzwischen mit Zement und Wellblech gebaut, Lehmhäuser und strohgedeckte Dächer werden immer seltener.

Ein Sandlaster wird beladen
Ein Sandlaster wird beladen

Zuerst kauft man Zement in Säcken von 50 kg, die im Lieferwagen oder auf dem Motorrad zur Baustelle transportiert werden. Dort werden sie von Hand abgeladen und auf dem Kopf zum Lagerplatz gebracht. Dann braucht man Sand. Dazu bestellt man eine oder mehrere Fuhren per Lastwagen. In der Sandgrube wird er von Hand auf die Ladefläche geschaufelt. An der Baustelle wird er dann einfach abgekippt.

Das sind schon mal die “Zutaten”, mit denen man die Steine machen kann. Der Maurer oder der Azubi mischen Zement, Sand und Wasser mit der Schaufel am Boden. Sie haben die gewünschten Stahlformen mitgebracht: Sie sind alle 40 cm lang 20 cm hoch. Die Breite variiert, es gibt 20, 15 oder 10 cm. Man kann solide Steine machen oder den Zusatzeinsatz für Hohlblocksteine verwenden. Die jeweilige Stahlform wird gefüllt und mit der Schaufel  festgeklopft. Der Maurer stürzt die Form von Hand auf den Erdboden und zieht sie vorsichtig ab. Nun steht der erste Stein von vielen. Man stellt immer gleich Hunderte auf einmal her. Sie müssen mehrere Tage aushärten, und man hofft, dass die Ziegen und die Kinder nicht darauf herumlaufen, bevor sie fest sind. Eine große Fläche mit frisch hergestellten Steinen ist hier der Anfang jeder Baustelle.

Zwei Maurer stellen Steine her
Zwei Maurer stellen Steine her

Wenn man Kies für Beton braucht, fährt man hier in Bassila zum Steinbruch. Dort sitzen mehrere Frauengruppen, deren freiwilliger (!) Beruf es ist, von Hand aus Felsen Kies zu klopfen. Der wird schüsselweise verkauft und auf den Laster geladen.

Kiesherstellung von Hand
Kiesherstellung von Hand

Eine Gruppe von Maurern erstellt zuerst den Rohbau. Dann bauen Tischler oder Schlosser Türen und Fenster aus Holz oder Stahl. Und schließlich geht es an den Dachstuhl: Die Balken gibt es in der Sägerei, das Wellblech im Laden, in Gebinden von je 10 Stück. Das Hämmern der Dachdecker hört man in der Bausaison weit. Dann wird der Fußboden gegossen, vielleicht noch eine Sperrholzdecke eingezogen und die Wände verputzt. Fertig zum Einzug! Einige Bauherren haben auch noch Geld für den Maler, aber das kommt oft erst viele Jahre später.

Bauen ist teuer, und es kann sich nicht jeder gleich ein ganzes Haus leisten. Alles wird direkt in bar bezahlt.  Deshalb bauen viele Leute auf Etappen. In einem Jahr werden die Steine vorbereitet, nächstes Jahr hat man vielleicht das Geld zum Mauern. Und ein oder zwei Jahre später hat man vielleicht das Geld für das Dach oder die Türen und Fenster. Viele Baustellen brauchen Jahre vom Baubeginn bis zum Einzug, andere gehen manchmal auch ganz schnell. Manche bauen auch erst mal ein oder zwei Zimmer und bauen später an.

Übrigens haben sogar die leeren Zementsäcke noch einen Marktwert: Die Krapfen-Verkäuferinnen wickeln darin ihre Ware ein.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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