Elterliches Anwesen, Eigenheim, Mietswohnung oder Studentenzimmer?

Der Sulzer, Ausgabe 274, Februar 2013, Seite 19

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Im letzten Brief konnten Sie lesen, wie hier gebaut wird. Heute und beim nächsten Mal möchte ich Ihnen nun erzählen, wie die Leute hier so wohnen und leben. Es gibt, genau wie bei Ihnen, verschiedene Möglichkeiten: das elterliche Anwesen, das Eigenheim, die Mietswohnung oder das Studentenzimmer.

Kommen Sie doch heute einfach mal mit auf einen Besuch in einem traditionellen Familienanwesen: In jeder Großfamilie gibt es hier den “Stammsitz”, auch das “große Haus” genannt. Groß ist es eigentlich nicht, sondern es ist ein kleines Grundstück in der Innenstadt, mit mehreren alten Wohnhäusern, wo die Eltern oder Großeltern schon gewohnt haben.

Haus und Hof
Haus und Hof

Einige der jungen Leute wohnen noch dort, einige bauen in anderen Stadtteilen eigene Häuser. Der Zusammenhalt der Großfamilie ist hier sehr wichtig, und so kommt man regelmäßig im elterlichen Anwesen zu Besuch.

In einem typischen Anwesen stehen mehrere lang gezogene Häuser um einen Innenhof herum, ein oder zwei Zimmer tief und zwei bis sogar sechs Zimmer lang. Alle Zimmertüren führen direkt auf den Hof, Flure gibt es keine. Diese traditionellen Anwesen haben üblicherweise auch keine Grundstücksmauer, die Häuser stehen Rücken an Rücken mit denen der Nachbarn. Auch Neubauten werden oft mit dieser Wohnraumaufteilung gebaut, die dem hiesigen Familienleben gut entspricht.

Vor dem Haus
Vor dem Haus

Jedes erwachsene Familienmitglied hat sein eigenes Schlafzimmer: der Familienvater, jede seiner Frauen sowie die alten Eltern, Onkel oder Tanten, die zum Haushalt gehören. Die Kinder schlafen bei den Müttern oder Tanten, die jungen Mädchen und jungen Frauen auch. Jungen im Teenageralter teilen sich oft ein Zimmer, und junge Männer bekommen ihre eigenen Zimmer, wenn es im Haus genug Platz gibt.

Viele Familien haben auch ein Wohnzimmer mit einer Sofagarnitur und einem Fernseher. Dort werden Gäste empfangen oder die Familie sieht fern. Aber das eigentliche Leben findet draußen statt, es ist das ganze Jahr warm genug dafür. Man sitzt im Schatten im Hof und verrichtet seine Haushaltsarbeiten gemeinsam. Die Kinder helfen oder spielen nebenher. Wenn Gäste kommen, bringen die Kinder Hocker oder eine Sitzbank, und der Besuch setzt sich dazu und plaudert oder hilft einfach mit. Dort hängt auch oft eine Schultafel, an der gemeinsam Hausaufgaben gemacht werden oder wo die älteren Geschwister den Jüngeren helfen.

Leben im Hof
Leben im Hof

Wenn man durch den Ort geht, bleibt man längst nicht immer auf den Wegen oder Straßen, sondern geht durch die Innenhöfe von Freunden, Bekannten und der gesamten Großfamilie. Man grüßt einfach beim Durchgehen, oder bleibt kurz stehen für einen Schwatz. Beziehungen sind hier in Bassila sehr wichtig, und so sieht man sich regelmäßig und nimmt gegenseitig am Leben teil. Und zu dieser Jahreszeit hört man oft: “Möge Gott uns im neuen Jahr begleiten!” Mit diesem typischen Neujahrsgruß wünschen wir auch Ihnen ein gutes neues Jahr!

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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