Wo sind denn Küche und Bad?

Der Sulzer, Ausgabe 276, April 2013, Seite 20 + 21

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Auch hier träumen ganz viele Menschen vom eigenen Haus. Die Grundstücke sind relativ günstig, und es werden immer wieder neue Stadtteile als Bauland ausgewiesen, vermessen und verkauft. So besitzen viele Leute bereits ein oder mehrere Grundstücke, aber gebaut wird oft erst Jahre später und auf Etappen, so wie es das Geld erlaubt. Sobald der erste Bauabschnitt bewohnbar ist, zieht man ein. Entweder selber, oder man vermietet.

Meist sind es Leute von außerhalb, die zur Miete wohnen. Sie sind zum Arbeiten nach Bassila gekommen, vielleicht als Lehrer, Beamte, Handwerker oder Polizisten. Viele werden regelmäßig versetzt, oft alle zwei Jahre. Und so gibt es in Mietwohnungen viel Wechsel. Viele Bassilaner, die außerhalb arbeiten, bauen im Heimatort ein Haus, das sie erst mal vermieten, und dann typischerweise zur Rente selber beziehen.

Einige Häuser werden auch gezielt als Mietshäuser gebaut, mit getrennten Wohneinheiten: Es gibt einzelne Zimmer für Alleinstehende oder mehrere Schüler, die hier die weiterführende Schule besuchen. Und es gibt Wohnungen mit einem oder zwei Schlafzimmern mit Wohnzimmer. Darin wohnt dann eine ganze Familie. Man kann auch ganze Einfamilienhäuser mieten.

Soweit ist alles noch ganz ähnlich wie bei Ihnen. Aber vielleicht haben Sie sich schon gewundert, dass ich Küche und Bad nicht erwähnt habe. Nun ja, die sind im Hof! Fließendes Wasser gibt es fast nirgends.

Dusche im Hof
Dusche im Hof

Die Latrine ist im Hof in einer Ecke, und die Dusche ist einfach ein Sichtschutz aus Palmzweigen, Stroh oder ein kleines gemauertes Kabuff, immer ohne Dach, und ca. schulterhoch. Dorthin bringt man seinen Eimer mit frischem Wasser und wäscht sich. Die Kinder duschen oft direkt im Hof und seifen sich gegenseitig ein. Babys badet man in einer großen Blechschüssel.

Brunnen im Hof
Brunnen im Hof

Wasser schöpft man entweder aus einem Brunnen direkt beim Haus oder in der Nachbarschaft. Trinkwasser kauft man schüsselweise am öffentlichen Wasserhahn. Und zum Waschen geht man teilweise mit der Wäsche zum Bach am Stadtrand, damit man nicht so viel Wasser schöpfen und tragen muss.

öffentlicher Trinkwasserhahn
öffentlicher Trinkwasserhahn

Gekocht wird eigentlich immer draußen, außer wenn es heftig regnet. Die Häuser oder die Wohnungen haben oft eine “Küche”, die aber eigentlich fast nur ein Abstellraum für Küchenutensilien und Vorräte ist. Die meisten Familien kochen auf offenem Feuer, mit Brennholz oder Holzkohle. Die Kochstelle steht im Hof. Die Frauen sitzen auf kleinen Hockern daneben, bereiten die Zutaten in der Hand und in Schüsseln vor. Die Ziegen und die Hühner holen sich gleich die Schalen oder die herunterfallenden Körner. Kompost braucht man hier eigentlich nicht. Und manchmal holen sich die Tiere auch einen Bissen vom fertigen Essen …

Zum Essen sitzt man nicht um einen Esstisch, sondern auf Hockern, Stühlen, Bänken oder Matten im Hof oder im Zimmer. Man sitzt alleine oder in kleinen Gruppen, gemeinsame Mahlzeiten als ganze Familie gibt es hier nicht unbedingt. Jeder bekommt seine Portion ausgeschöpft auf einen Teller oder in eine Schüssel, die man in der Hand oder auf dem Schoß hat.

Lasst uns essen – so sagt man hier “Guten Appetit”. Du und das Essen – ist die Antwort darauf.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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