Regenzeit

Der Sulzer, Ausgabe 282, Oktober 2013, Seite ?

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus der Regenzeit in Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Hier gibt es jährlich eine Trockenzeit und eine Regenzeit. Die ersten Regen fallen im Mai; im Juli geht es dann so richtig los, und normalerweise endet die Regenzeit im Oktober. Ein halbes Jahr lang ist das ganze Land üppig grün. In der Trockenzeit regnet es dann in einigen Jahren 6 Monate gar nicht, in anderen nur ein paar Mal. Die Vegetation vertrocknet, nur noch die Bäume bleiben grün.

Buschlandschaft in der Regenzeit
Buschlandschaft in der Regenzeit

Gemütlichen Nieselregen gibt es hier fast gar nicht, meistens gießt es in Strömen, oft sogar mit starkem Sturm und heftigen Gewittern, oft auch stundenlang. Meistens gibt es dann auch gleich Stromausfall, und es gibt viele Blitzschäden. Der Sturm deckt oft Dächer ab oder entwurzelt Bäume. Regen ist hier fast immer spektakulär, und wir schauen auch nach 13 Jahren in Afrika noch gerne von der Terrasse aus zu: Die Bäume biegen sich, die Wege verwandeln sich in Bäche, der Wind treibt den Regen seitlich ins Haus, und im Zimmer versteht man kein Wort, weil es so laut ist, wenn der Regen auf das Wellblech trommelt.

Wenn es regnet, kommt das Leben zum Stillstand. Dann kann man eine Verabredung automatisch als abgesagt betrachten, denn jeder bleibt, wo er gerade ist. Es regnet ja schließlich. Regenjacken oder Schirme haben nur wenige, und im reißenden Bach auf abschüssigen Wegen schwimmt auch schon mal ein Badelatschen davon.

Die Lehmstraßen werden vom Regen sehr ausgewaschen, und das Reisen wird beschwerlich. Brücken werden manchmal weggewaschen, manche Straßen werden unpassierbar. Manche Brücke wird mit Holzbohlen und Brettern provisorisch       repariert. Mancherorts werden Holzpiroggen als Fähren für Fußgänger und Motorräder eingesetzt. Am Ende der Regenzeit werden dann viele der Lehmstraßen von einem Straßenhobel wieder geglättet. Selbst die Asphaltstraßen leiden, wenn der Unterboden aufweicht und die schweren Lastwagen darüberfahren: Es entstehen sehr viele neue Schlaglöcher, die in der Trockenzeit dann zum Teil wieder repariert werden.

Hohes Gras am Straßenrand
Hohes Gras am Straßenrand

Auch das Stadtbild ändert sich in der Regenzeit, das Gras auf den freien Flächen und um die Häuser wird mehrere Meter hoch. Hier ein Foto mitten im Ort, direkt vor unserem Büro.

Mitten in der Stadt
Mitten in der Stadt

Die gesamte Landwirtschaft hier ist von der Regenzeit abhängig, Bewässerung für Felder gibt es nicht. Damit ist das Wetter ein Dauergesprächsthema. Fast alle Familien leben von der Landwirtschaft, sogar Beamten bestellen nebenher ihre kleinen Felder. Jedes Jahr wird die Regenzeit ungeduldig erwartet. Nach den ersten Regenfällen wird das erste Saatgut in die Erde gebracht. Alle fragen sich besorgt: Hält der Regen dieses Jahr gleichmäßig an, oder gibt es nach den ersten Schauern noch wieder eine lange Pause? Wenn man zu früh aussät, vertrocknen das Saatgut oder die jungen Pflänzchen. Wenn man zu spät sät, reicht der Regen am Ende nicht, um die Ernte gut reifen zu lassen. Eine Wettervorhersage gibt es hier gar nicht.

Dieses Jahr war es ganz extrem: Es gab ein paar frühe, sehr reichliche Regen, und dann mehrere Monate fast gar keinen Niederschlag. Alle Bauern waren sehr besorgt, alle beteten für Regen. Erst Mitte September gab es ein paar regelmäßige Regenfälle. Viele Leute haben dieses Jahr gemischte Felder bestellt, z.B. Mais und Bohnen nebeneinander gesät. Das eine braucht mehr Wasser, das andere weniger. Damit hoffen sie, wenigstens eine Ernte zu haben.

Ende der Trockenzeit sind im Ort viele Brunnen schon trocken, und eine gute Regenzeit füllt die Grundwasserreserven wieder auf. Eigentlich treten jetzt im September die Flüsse fast über die Ufer, aber dieses Jahr sind sie noch ganz leer.

Hier freuen sich alle über den nächsten Regen, und die Kinder springen begeistert draußen herum. Denken Sie an Ihrem nächsten Regentag mal an uns, wenn Sie vielleicht genervt sind!

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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