Feiertage

Der Sulzer, Ausgabe 284, Dezember 2013, Seite ?

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Weihnachten und Neujahr stehen vor der Tür, da möchte ich Ihnen etwas über unsere Feiertage hier in Benin erzählen.

Die Festtage von drei verschiedenen Religionen sind offizielle Feiertage im ganzen Land: alle christlichen, inklusive aller katholischen Feste, die islamischen, und am 10. Januar ist Voudou-Tag für die traditionellen Religionen. Neujahr, der 1. Mai und der Unabhängigkeitstag am 1. August sind die nicht-religiösen Feiertage. An all diesen Tagen sind Schulen und Büros geschlossen. Aber jeder Ladenbesitzer entscheidet selber, wann er auf oder zu hat. Und die Handynetzwerke verschicken gerne SMS mit Festtagsgrüßen an alle Nutzer.

Hier in Bassila werden alle Feiertage außer dem Voudou-Tag begangen. Am 1. Mai findet oft eine Parade aller Berufsgruppen statt. Zum Unabhängigkeitstag wird das ganze Land geflaggt und es gibt Kranzniederlegungen für die Gefallenen und Paraden. Die große repräsentative Parade für das ganze Land findet an wechselnden Orten statt und wird im Fernsehen übertragen. Die lokalen Aufmärsche finden auch jedes Jahr in einem anderen Ort der Region statt.

Die Haupt-Moschee von Bassila beim Freitagsgebet
Die Haupt-Moschee von Bassila beim Freitagsgebet

Die islamischen Feste wechseln jedes Jahr ihr Datum, und die Bevölkerung weiß oft bis kurz vorher nicht, an welchem Tag genau gefeiert wird. Es kam sogar schon vor, dass sie in einem Jahr im benachbarten Togo um einen Tag versetzt begangen wurden. Bassila liegt 3 km von der Grenze entfernt und viele Familien haben Verwandte in Togo. Mohammeds Geburtstag wird nicht groß gefeiert, aber das Ende des Fastenmonats Ramadan und das Opferfest, dass hier Tabaski genannt wird, sind ganz große Anlässe und dauern mehrere Tage. Sie werden mit besonderen Gebeten in der Moschee begangen, und in den Familien wird dann Reis und Fleisch als Festessen gekocht und mit den Nachbarn geteilt. Die Kinder bekommen möglichst neue Kleider, und wenn das Geld reicht, die Erwachsenen auch.

Nach der Messe bei der katholischen Kirche in Bassila
Nach der Messe bei der katholischen Kirche in Bassila

In allen Kirchen wird zu Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und Weihnachten mit Gottesdiensten festlich gefeiert, die Lieder und Trommeln hört man weit. In den katholischen Kirchen werden ebenfalls Mariä Himmelfahrt und Allerheiligen begangen.

Weihnachten wird in der lokalen Sprache Anii “Das Fest der Kinder” genannt, denn auch hier bekommen die Kinder nach Möglichkeit Geschenke, teilweise auch von Sponsoren aus dem Ausland. In der Vorweihnachtszeit bieten viele Geschäfte gezielt Spielzeug an, und in der Nachbarschaft hört man dann ausdauernd die Geräusche von batteriebetriebenen Kinderspielzeugen.

Der ganz große Feiertag für alle im ganzen Land ist allerdings Neujahr. Neujahrsgrüße werden sehr ernst genommen, man besucht sich gegenseitig und wünscht sich ausführlich alles Gute: Gesundheit, Glück, Erfolg, viel Geld, viele Kinder, und in Cotonou an der Ampel hört man auch schon mal, dass einem ein Kind ein klimatisiertes Haus und ein Allradfahrzeug wünscht. Im Radio und Fernsehen werden Neujahrsgrüße gesendet und es gibt offizielle Anlässe für Neujahrsgrüße und Empfänge, die sich über den ganzen Januar hinziehen. So reisen die Vorsteher der Lokalregierungen z.B. alle zu einem speziellen Neujahrsempfang zum Präsidenten der Republik.

Kalender sind in der Kultur hier sehr wichtig. Jede Firma und jeder Verein sowie viele Behörden lassen Kalender drucken, sie werden im Rahmen der Neujahrsgrüße feierlich überreicht. Und es ist nicht peinlich, auch im Mai noch einen Kalender zu verschenken. Die Neujahrsgrüße ziehen sich so lange hin, bis man alle Verwandten und Bekannten im neuen Jahr zum ersten Mal gesehen hat.

In den letzten Jahren haben wir es zweimal erlebt, dass relativ spontan und kurzfristig ein nationaler Feiertag ausgerufen wurde: einmal zu Ehren der Beniner Armee und das zweite Mal am Tag der Vereidigung des wiedergewählten Staatspräsidenten. Diese Anlässe wurden im Fernsehen übertragen und im ganzen Land verfolgt.

Und weil Neujahr ja schon fast vor der Tür steht, wünsche ich Ihnen auf diesem Wege mit dem traditionellen Neujahrsgruß auf Anii ein gutes neues Jahr: Gaja ga kpâ n’atʊ gajɩfɔlɩ ! Möge Gott Sie im neuen Jahr begleiten.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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