Feldarbeit in der Regenzeit

Der Sulzer, Ausgabe 254, Juni 2011, Seite 19 + 20

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrer Partnerkommune Bassila in Benin in Westafrika. Bei Ihnen wird es gerade Sommer, und hier bei uns kommt die Regenzeit.

Wir haben zwei große Jahreszeiten: Die Trockenzeit von November bis Mai und die Regenzeit von Juni bis Oktober. Oder so ungefähr. In diesem Jahr fiel zwischen Mitte Oktober und Anfang März kein einziger Tropfen Regen. Seit März gibt es alle paar Wochen mal einen Schauer, und im Mai-Juni geht es normalerweise so richtig los.

Alle warten sehnsüchtig auf die Regenzeit. Das Wetter ist Tagesgespräch. Für die Landwirte ist jedes Jahr die große Frage, ob der Regen regelmäßig weiter fällt oder ob es nach den ersten großen Regengüssen wieder eine lange Pause gibt. Wenn sie zu früh säen, verdorrt das Saatgut. Wenn sie zu spät säen, reicht der Regen am Ende der Reifezeit nicht. Vor einigen Jahren haben die Landwirte in den nördlichen Dörfern unserer Kommune ihre erste Aussaat komplett verloren, denn es blieb nach dem Aussäen unerwarteterweise sechs Wochen trocken.

Mit den ersten Regen werden Kürbiskerne und Bohnen gesät. Im Juni dann der Mais, der hier in der Gegend eines unserer Hauptnahrungsmittel ist. Später dann die Hirse. Erdnüsse, Sojabohnen, Yams und Maniok werden auch angebaut.

In unserer Kommune gibt es viele Flüsse und Bäche, die in der Trockenzeit fast oder ganz versiegen. In den Bachniederungen werden in der Trockenzeit Zwiebeln, Tomaten, Gewürze und spinatähnliche Blätter angebaut und von Hand gegossen. In der Regenzeit steht hier das Wasser mindestens kniehoch, und seit einigen Jahren wird sehr viel Reis gepflanzt.

Reisernte mit der Sichel
Reisernte mit der Sichel

Der Ackerbau geschieht hier noch von Hand. Jede Familie bestellt ihre eigenen Felder, meist mehrere Hektar, in der Buschlandschaft außerhalb vom Dorf. Die Hauptwerkzeuge sind die Hacke und die Machete. Alle Pflanzreihen werden von Hand mit der Hacke aufgehäufelt und dann werden die Saatkörner einzeln per Hand und Fuß gesät. Zur richtigen Zeit wird dann von Hand gedüngt und das Unkraut gejätet. Zur Saat- und Erntezeit ist die ganze Familie beschäftigt. Von Juni bis Oktober haben die Kinder Ferien und können auf dem Feld mithelfen. In der Schulzeit helfen sie in vielen Familien am Wochenende bei der Feldarbeit.

    Das Feld wird mit der großen Hacke bestellt
Das Feld wird mit der großen Hacke bestellt

Die Bauern rufen sich oft gegenseitig zur Gemeinschaftsarbeit. An einem Tag helfen alle auf dem Feld einer Familie mit, am nächsten Tag auf dem der nächsten Familie. Gemeinsam geht die Arbeit leichter von der Hand, und an einem Tag kann ein ganzes Feld bestellt werden. Diese gemeinsame Arbeit wird oft von Trommlern begleitet, und der Feldbesitzer sorgt für gute Verpflegung.

Unsere Kommune lebt ein großes Stück weit vom Ackerbau. Die meisten Familien haben ihre eigenen Felder. Die Menschen bauen Lebensmittel für ihren Eigenbedarf an und viele darüber hinaus auch zum Verkauf. Aber die meisten Handwerker, Beamten, Lehrer, Ladenbesitzer oder Chauffeure haben auch kleine Felder, möglichst direkt neben dem Haus oder nicht weit weg vom Ort. Ein Sprichwort sagt: Wir alle wollen essen. Deshalb interessieren wir alle uns auch sehr für die Sorgen und Freuden des Ackerbaus. Und ganz besonders für den Regen.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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