Die Stadtteilküchenmaschine

Der Sulzer, Ausgabe 292, August 2014, Seite 16

Liebe Leserinnen und Leser in und um Sulzbach,
viele Grüße aus Ihrem Partnerkreis Bassila in Benin, Westafrika. Werden Sie auch manchmal morgens von einer Küchenmaschine geweckt? Aber nicht von Ihrer Eigenen, sondern von derjenigen der Nachbarn auf der anderen Straßenseite?

Wie viele verschiedene Küchengeräte haben Sie? Und wofür verwenden Sie sie? Hier hat fast kein Haushalt elektrische Küchengeräte, aber es gibt zwei wichtige Werkzeuge, die in keiner Küche fehlen dürfen. Das eine ist der Reibestein, das andere der Mörser mit Stößel.

Jede gute Köchin verwendet hier die verschiedensten Gewürze in ihren Soßen. Knoblauch, Ingwer, Chili und Pfefferkörner sind nur einige davon. Für andere traditionelle Gewürze kenne ich nicht mal einen deutschen Namen. Diese Dinge gibt es frisch oder getrocknet auf dem Markt. Man kann sie auch klein schneiden, aber am liebsten wird hier alles auf dem Reibestein mit etwas Wasser zu einer Gewürzpaste gerieben, die das Essen dann sehr gleichmäßig würzt.

Tomaten und Zwiebeln dürfen auch in fast keiner Soße fehlen, und sie werden ebenfalls gerne auf dem Reibestein zu einem feinen Mus verarbeitet.

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Junge Dame am Reibestein

Reibesteine sind hier aus Granitplatten, die es in einigen Gegenden von Togo und Benin in der Nähe von Steinbrüchen an der Straße zu kaufen gibt. Oder sie werden lokal aus Zement hergestellt. Sie stehen im Hof in der Nähe der Feuerstelle. Man nimmt einen zweiten kleinen, handgroßen Stein, mit dem man gebückt unter viel Körpereinsatz Portion für Portion die Zutaten zerreibt. Kinder im Grundschulalter üben unter Aufsicht ihrer Mütter und Tanten. Es braucht ziemlich viel Übung, ich selber kriege es bisher überhaupt nicht sehr gut hin.

Mörser gibt es in verschiedenen Größen, dafür werden Baumstämme von Hand ausgehöhlt. Der dazugehörige Stampfer wird ebenfalls aus Holz geschnitzt. Ein kleiner Mörser ist ca. 25 cm hoch und steht auf dem Boden. Darin stampft man im Sitzen Gewürze und andere Zutaten, z.B. auch die beliebten Kürbiskerne oder Erdnüsse, die in vielen Soßen verwendet werden. Große Mörser sind ca. 50 cm hoch und werden im Stehen bedient. Darin wird z.B. Jamsbrei gestampft oder trockene Maiskörner von ihren äußeren Schalen befreit, oft auch von mehreren Frauen gemeinsam. Das Stampfen hört man weit überall im Ort.

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Gewürze stampfen im Mörser

Aber die Maschine, die mich oft morgens weckt, ist noch eine andere: unsere Stadtteil-Küchenmaschine. Diese benzinbetriebene Mühle ist der Arbeitsplatz meiner Nachbarin, sie steht auf ihrer Terrasse. Ihre Kunden bringen von früh morgens bis spät abends feuchte oder flüssige Zutaten, die sie nicht von Hand mahlen möchten. Meistens sind es größere Mengen. Das Restaurant bringt seine Tomaten, oder die Dame, die Knabber-Sticks aus frittierter Erdnusspaste verkauft, bringt ihre gesamte Schüssel mit Erdnüssen zum Mahlen. Die Krapfenverkäuferin kommt mit ihren eingeweichten Bohnen oder die Hirsegrützeverkäuferin mit ihren eingeweichten Hirsekörnern. Beides sind hier typische Frühstücke, die am Straßenrand verkauft werden.

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Die Stadtteilküchenmaschine im Einsatz

Solche Motormühlen gibt es viele im Ort, sie sind jeweils ein ganzer Arbeitsplatz. Der Müller oder die Müllerin werden nach Menge des zu mahlenden Gutes bezahlt. Und den Motor sowie das Mahlwerk hört man weit. Die Getreidemühlen, in denen Mehl gemahlen wird, sind viel größer und dieselbetrieben. Auch sie gibt es in jedem Stadtteil.

Wenn Sie das nächste Mal eine Ihrer Küchenmaschinen nutzen, denken Sie doch einfach mal an uns.

Bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße,
Stefanie Zaske

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